Refounding – Organisationen verjüngen

Refounding als Organisation heißt sich erinnern an die Gründungsgeschichte – nicht im Sinne eines Jubiläums mit den üblichen Festreden, sondern als gemeinschaftlicher Prozess aller Mitarbeitenden. Es geht um die Vergegenwärtigung der Gründer und Gründerinnen, der Gründungsideen, der Gründungsurkunden etc. Es darf keine museale Erinnerung sein, nach dem Motto: „So war das damals…“ Vielmehr wird nach Inspiration und Impulsen für die Gegenwart gesucht: Was fordert die Treue zur Gründungsidee heute?

Refounding fordert die Mitarbeitenden, sich aktiv und kreativ mit der Gründungsgeschichte der Organisation auseinanderzusetzen. Allerdings fordert es Mitarbeitende nicht nur, sondern beteiligt sie auch. Refounding ist nicht weniger als eine Neugründung der Organisation im Blick auf alle Facetten, die Organisationen kennzeichnen: Ziele, Strukturen, Marktauftritt, Führungsstil, Kultur, Umgang mit den Ressourcen etc.

Refounding ist ein Entwicklungsprozess. Wie andere Prozesse auch, kann man ihn in einzelne Phasen aufteilen, die bei der Umsetzung helfen. Dazu ein Vorschlag mit sechs Schritten:

  1. Mitarbeitende einer Organisation kommen zusammen als Gemeinschaft (alle oder Vertreter der einzelnen Bereiche).
  2. Die Gründungs-Geschichte (Personen, Urkunden, Ziele…) wird gemeinsam neu bedacht (evtl.: spielerisch als kurzes Theaterstück).
  3. Die alten Gründungs-Ziele werden im Blick auf neue Herausforderungen geprüft.
  4. Die Gründungsziele werden reformuliert, so dass sie für die heutigen Mitarbeitenden verständlich sind und Akzeptanz finden können.
  5. Alle versichern sich der erneuerten Grundlegung durch eine gemeinsame Feier (Ritual) und streben ein Commitment an.
  6. Die neu formulierten Grundlagen werden in die Organisation nachhaltig implementiert.

Zu diesen Schritten gibt es bewährte Workshop-Methoden, so dass ein kreativer Prozess entsteht, in den sich viele einbringen können.

Die Konsequenzen sind naturgemäß völlig unterschiedlich, je nachdem um welche Organisation es sich handelt. Es geht darum, die ureigenen Ziele ausgehend vom Gründungsakt neu zu bedenken und nicht irgendeiner modischen Management-Theorie zu folgen. Die Idee ist nicht, alles anders zu machen als bisher – sondern die Kernaufgaben mit einem neuen Schwung anzugehen, inspiriert durch die Gründungsideale. Es gilt den Zauber des Anfangs neu zu entfachen.

Meinrad Bumiller

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